Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung

Mittwoch, 12. Mai 2010


Zehn Männer gegen einen Ziegenbock

Von Carolin Barth


Das ausgebüxte Tier rief gestern Ordnungsamt, Bauhof und zwei Feuerwehren auf den Plan.
Helle Aufregung herrschte gestern Vormittag in Lichtenberg. Die Nachbarschaft versammelte sich neugierig am Gartenzaun, das Ordnungsamt Pulsnitz, die Feuerwehr und der Bauhof rückten an. Der Einsatzgrund war kräftig
gewachsen und hatte zwei mächtige Hörner auf dem Kopf: Ein ausgebüxter Ziegenbock hatte sich auf ein Grundstück an der Großröhrsdorfer Straße verirrt. „Das Tier war bereits am Montag in Richtung Kleindittmannsdorf gesehen worden“, so Mario Reiß vom Pulsnitzer Ordnungsamt. Erste Fangversuche scheiterten kläglich. Gestern Morgen gegen sechs Uhr tauchte der Ziegenbock erneut auf, direkt auf der Terrasse von Edith Reichelt auf der Großröhrsdorfer Straße. „Meinem Enkel und mir hat das Tier direkt in die Augen geschaut“, erzählt sie. Noch im Schlafanzug suchte sie per Telefon nach seinem Besitzer. „Irgendwann hatte ich die Polizei Görlitz am
Hörer, die wiederum das Pulsnitzer Ordnungsamt informierte.“ Von dort machten sich Mario Reiß und ein Kollege in einem großen Wagen Richtung Lichtenberg auf. Das Tier sollte gefangen werden. Auch die Feuerwehren Lichtenberg und Kleindittmannsdorf sowie der örtliche Bauhof wurden eilig herbeigerufen. In der Zwischenzeit ließ sich der Ziegenbock ganz gemütlich ein von Edith Reichelt liebevoll zubereitetes Frühstück aus
Kartoffelscheiben und Brot schmecken.
Tierheim bot Unterschlupf
Doch danach sollte das Einfangmanöver starten. Zum Glück hinderten Hecken und Zäune den Bock daran, auf und davon zu springen. Zehn Männer umstellten ihn. Ein junger Lichtenberger fasste sich ein Herz, pirschte sich von hinten heran und fasste zu. Der schwarz-weiß gefleckte Widerspenstige wurde an den Hörnern gepackt und an
den Läufen zusammengebunden. Anschließend hievten die Männer das Schwergewicht ins Auto. Das Tierheim Hauswalde hatte sich bereit erklärt, dem Bock Unterschlupf zu gewähren. Eigentlich gehört solch ein Tier nicht zu den bevorzugten Bewohnern. „Deshalb sind wir dem Tierheim dankbar für die Aufnahme“, so Reiß. Während der
Fahrt waren die Kräfte von drei Männern nötig, um das störrische Tier zu bändigen. Im Tierheim versteckte sich der Bock im Schuppen und schnaubte erst einmal durch.
Am Nachmittag kam es zum Happy End der tierischen Geschichte: Bei der Gemeindeverwaltung meldete sich der Besitzer aus Großröhrsdorf, der seine Ziegen auf der Lichtenberger Weide grasen lässt. Der ausgebüxte Bock hat
die Strapazen seines Ausflugs gut überstanden und grast wieder unter seinen Artgenossen auf der Weide.
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Sächsische Zeitung [online] http://www.sz-online.de/_sitetools/news/printversion.asp?id=246048...

 


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